Die vergangenen Jahre haben es deutlich gezeigt: Vegetationsbrände gehören längst nicht mehr zu seltenen Ausnahmeereignissen. Heiße Sommer, lange Trockenperioden und zunehmende Wetterextreme sorgen dafür, dass auch in unserer Region Einsätze dieser Art spürbar zunehmen – mit der Tendenz weiter steigend. Um auf diese besonderen Einsatzlagen bestmöglich vorbereitet zu sein, haben die Feuerwehren Flörsheim, Wicker und Weilbach gleich zwei Ausbildungstage durchgeführt: Am 28. März sowie am 11. April 2026 nahmen jeweils rund 30 Einsatzkräfte an einem intensiven Seminar zur Vegetationsbrandbekämpfung teil.

Theorie, Taktik und ein klarer Fokus auf Sicherheit

Im Feuerwehrhaus Weilbach starteten beide Seminartage jeweils mit einem umfangreichen theoretischen Teil. Die erfahrenen Ausbilder von @fire vermittelten fundiertes Wissen aus nationalen und internationalen Einsätzen und schufen damit eine praxisnahe Grundlage für den weiteren Verlauf des Tages.

Im Mittelpunkt standen neben aktuellen Waldbrandstatistiken und rechtlichen Grundlagen vor allem das Verhalten von Vegetationsbränden und deren oft schwer vorhersehbare Dynamik. Begriffe wie Flammenlänge, Feuersäule oder Spotfeuer – also durch Funkenflug entstehende, oft weit vor der eigentlichen Feuerfront liegende neue Brandherde – wurden ebenso behandelt wie unterschiedliche Brandarten vom Bodenfeuer bis hin zum gefährlichen Kronenfeuer.

Besonders eindrücklich war für viele Teilnehmer die Erkenntnis, wie schnell sich ein zunächst kleiner Brand zu einer komplexen Lage entwickeln kann. „Vegetationsbrände sind keine Standardeinsätze und äußerst dynamisch“ – diese Kernaussage zog sich wie ein roter Faden durch die Ausbildung. Ebenso deutlich wurde: Taktik entscheidet über Sicherheit.

Ein wesentlicher Bestandteil war dabei das Arbeiten nach klaren taktischen Prinzipien. So beschreibt der sogenannte Ankerpunkt einen gesicherten Ausgangspunkt der Brandbekämpfung – beispielsweise eine Straße oder bereits abgebrannte Fläche –, von dem aus sich die Einsatzkräfte systematisch und kontrolliert am Feuer entlang vorarbeiten.

Ergänzend dazu wurde das internationale Sicherheitskonzept LACES vermittelt. Es steht übersetzt für Lagebeobachtung, Ankerpunkt, Kommunikation, Fluchtwege und Sicherheitszonen und bildet ein zentrales Grundprinzip für sicheres Arbeiten bei Vegetationsbränden.

Praxisnahes Training: Technik, Taktik und Teamarbeit

Am Nachmittag ging es vom Theorieblock direkt in die praktische Ausbildung. Trotz regnerischer Witterung nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, zentrale Einsatztechniken intensiv zu trainieren.

Im Fokus standen dabei:

  • der sichere Umgang mit spezieller Waldbrandausrüstung 
  • effektives Schlauchmanagement mit D-Leitungen 
  • sowie das taktische Vorgehen im sogenannten „Pump & Roll“-Betrieb 


Beim „Pump & Roll“-Verfahren gibt das Löschfahrzeug während der Fahrt kontinuierlich Wasser ab. Diese Methode ermöglicht es, schnell auf sich ausbreitende Feuerlinien zu reagieren, ohne wertvolle Zeit durch Stillstand zu verlieren – ein entscheidender Vorteil bei dynamischen Flächenbränden.

Darüber hinaus wurde deutlich, dass Vegetationsbrände nicht nur taktisch anspruchsvoll, sondern auch körperlich extrem fordernd sind. Lange Laufwege im Gelände, hohe Temperaturen, schwere Ausrüstung und die Notwendigkeit dauerhafter Konzentration verlangen den Einsatzkräften alles ab. Entsprechend wurde auch die Bedeutung von frühzeitiger Kräfteplanung, regelmäßigen Ablösungen sowie einer gesicherten Einsatzstellenverpflegung intensiv thematisiert.

Gut aufgestellt – und dennoch wachsam

Die Feuerwehren der Stadt Flörsheim am Main verfügen bereits über einen hohen Ausbildungsstand und eine gezielte Ausstattung für Vegetationsbrände. Dazu zählen unter anderem Waldbrandsets mit D-Schläuchen, Feuerpatschen, Löschrucksäcken sowie ergänzende Schutzausrüstung wie Schutzbrillen, FFP3-Masken oder spezielle Maßnahmen zum Hitzeschutz.

Dass diese Vorbereitung notwendig ist, zeigte sich nicht zuletzt bei einem größeren Vegetationsbrand im Juli 2025 in Weilbach. Auf einer Fläche von rund 5.000 Quadratmetern breitete sich ein Feuer auf einem Stoppelacker rasch aus und griff bereits auf angrenzende Felder über – ein Szenario, das die Herausforderungen solcher Einsätze eindrucksvoll verdeutlicht.

Ausbildung mit Weitblick

Das Seminar hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine kontinuierliche und spezialisierte Ausbildung ist. Die Teilnehmer nahmen zahlreiche neue Erkenntnisse mit – vor allem ein geschärftes Bewusstsein für die Gefahren und die Dynamik von Vegetationsbränden.

Ein besonderer Dank gilt den Ausbildern von @fire für die professionelle und praxisnahe Durchführung des Seminars sowie der Feuerwehr Weilbach für die hervorragende Organisation und Verpflegung während des gesamten Tages.

Das Thema Vegetationsbrandbekämpfung wird auch künftig ein fester Bestandteil der Ausbildung bleiben und weiter vertieft werden. Denn eines ist klar: Die Herausforderungen werden nicht kleiner – umso wichtiger ist es, vorbereitet zu sein.

Einige Impressionen der beiden Ausbildungstage:

Schulung von Grundlagen

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung


Brandbekämpfung mit Handwerkzeugen

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung


Schlauchmanagement

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung


Pump&Roll

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung

Vegetationsbrandbekämpfung


Bericht: th 04/2026 – Fotos: Feuerwehren Stadt Flörsheim